5.3 Roadmap für Schulen
Für wen dieser Abschnitt gedacht ist
Schulleitungen, stellvertretende Schulleitungen und Verantwortliche für die Fortbildung an einer Schule. Sie müssen die vorangehenden Abschnitte nicht vollständig gelesen haben. Wenn Sie die neun Stufen in 5.2 gelesen haben, zeigt Ihnen dieser Abschnitt, wie sie auf eine Schule zutreffen; wenn nicht, können Sie hier beginnen.
Wo Schulen in die Roadmap einsteigen. Diese Roadmap wurde für Einrichtungen der Lehrkräftebildung entwickelt, doch ihre Veränderungslogik ist nicht auf diese beschränkt, und eine Stufe betrifft Schulen unmittelbar. Stufe 6, KI in der Fort- und Weiterbildung verankern, ist der Arm für berufstätige Lehrkräfte: Dort organisieren die Einrichtungen der Lehrkräftebildung die Fort- und Weiterbildung, an der Ihr Kollegium teilnimmt. Das ist Ihr Einstiegspunkt. Was eine Einrichtung als Stufe 6 anbietet, kommt in Ihrer Schule als Fortbildung an, und ob sich dadurch etwas in Ihren Klassenzimmern ändert, hängt von den Bedingungen in dieser Schule ab.
Warum Sie dort nicht anfangen und aufhören können. Mitglieder des Kollegiums zu einem einmaligen Kurs zu schicken, ist das gängigste Vorgehen und zugleich wenig geeignet, die Praxis von allein zu verändern. Was wirkt, sind eine dauerhafte Auseinandersetzung mit inhaltlichem Fokus, Gelegenheit zum Üben und eine Nachbereitung in Form von Coaching oder Zusammenarbeit (Lipowsky & Rzejak, 2021). Daraus folgt unmittelbar etwas für Schulleitungen: Die knappe Ressource ist nicht der Kurs, sondern die geschützte Zeit danach, in der Lehrkräfte etwas ausprobieren, es mit Kolleginnen und Kollegen besprechen und nachjustieren.
Abbildung 1. DUAL.AI.TEACHer-Integrations-Roadmap: Neun Stufen für die institutionelle Integration von KI in der Lehrkräftebildung.
Die drei Stufen, die auf Schulebene Vorrang haben
Stufe 6 ist Ihr Anknüpfungspunkt, doch die Stufen 1 bis 3 schaffen die Bedingungen, unter denen sie wirkt.
Stufe 1, Strategische Ausrichtung. Klären Sie, wo Ihre Schule tatsächlich steht. Ein Teil Ihres Kollegiums nutzt KI bereits, ein anderer meidet sie, und Schulen haben oft kein klares Bild von der gegenwärtigen Praxis. Eine kurze, ehrliche Bestandsaufnahme ist mehr wert als ein Strategiepapier. Benennen Sie, was Sie erreichen wollen, und seien Sie auf die Antwort vorbereitet, dass KI derzeit nicht das drängendste Problem Ihrer Schule ist; auch das ist ein legitimes Ergebnis dieser Stufe.
Stufe 2, Ermöglichende Governance. Diese Stufe ist auf Schulebene besonders wichtig und wird leicht übersehen. Kollegium und Lernende müssen wissen, was erlaubt ist, wie die KI-Nutzung offenzulegen ist, welche Werkzeuge datenschutzrechtlich geprüft wurden und was als Täuschung gilt. Wo das unklar ist, geschieht zweierlei zugleich: Vorsichtige Lehrkräfte meiden KI ganz, und selbstbewusste nutzen sie ohne vereinbarte Grenzen. Klare, ermöglichende Leitlinien helfen, beides anzugehen. Sie müssen nicht lang sein.
Stufe 3, Kapazitäten des Kollegiums. In der ursprünglichen Roadmap betrifft diese Stufe die Lehrenden in der Lehrkräftebildung; in Ihrer Schule betrifft sie Ihr Kollegium. Es gelten dieselben Qualitätsbedingungen. Erwägen Sie, mit einer kleinen Gruppe interessierter Kolleginnen und Kollegen in ein oder zwei Fächern zu beginnen statt mit einer Einführung für das gesamte Kollegium, und machen Sie deren Ergebnisse für die übrigen sichtbar. Neuerungen verbreiten sich, wenn Kolleginnen und Kollegen sehen können, dass sie im eigenen Umfeld funktionieren (Neal et al., 2018).
Was an einer Schule anders ist
Drei Rahmenbedingungen unterscheiden Ihre Situation von der einer Einrichtung der Lehrkräftebildung, und die Roadmap sollte mit Blick darauf gelesen werden.
Sie haben weniger curriculare Autonomie. Die Stufen 4 und 5 setzen eine Einrichtung voraus, die ihre eigenen Lehrinhalte überarbeiten kann. Ein großer Teil Ihres Curriculums dürfte durch nationale oder gesetzliche Vorgaben festgelegt sein, und Ihr Spielraum liegt darin, wie Fächer unterrichtet und wie Leistungen bewertet werden, nicht in dem, was vorgeschrieben ist. Lesen Sie diese Stufen daher als Stufen zur Aufgabengestaltung und zur Prüfungspraxis.
Ihr Kollegium hat weniger frei verfügbare Zeit. Eine Einrichtung der Lehrkräftebildung kann Entwicklungsarbeit dem wissenschaftlichen Personal als Teil seiner Aufgaben zuweisen. In einer Schule konkurriert jede Stunde Entwicklungsarbeit unmittelbar mit dem Unterricht. Das macht Stufe 2 überproportional wertvoll: Leitlinien kosten wenig Zeit und beseitigen sehr viel Reibung.
Sie sind den Folgen näher. Schulen erleben die praktischen Folgen von Fragen zu Chancengerechtigkeit, Daten von Lernenden und Zugang besonders unmittelbar. Aus diesem Grund fragt Stufe 8 ausdrücklich nach Chancengerechtigkeit.
Lipowsky, F., & Rzejak, D. (2021). Fortbildungen für Lehrpersonen wirksam gestalten: Ein praxisorientierter und forschungsgestützter Leitfaden. Bertelsmann Stiftung.
Neal, J. W., Neal, Z. P., Lawlor, J. A., Mills, K. J., & McAlindon, K. (2018). What makes research useful for public school educators? Administration and Policy in Mental Health and Mental Health Services Research, 45(3), 432–446.

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