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3.3 Progressionsstufen und Operatoren

Kompetenzentwicklung nachvollziehbar machen

Die 18 Kernkompetenzen des DUAL.AI.TEACHer-Frameworks sind relativ abstrakt gehalten und bilden eine übergeordnete Struktur des Kompetenzfelds. Um die Selbstbewertung oder die Bewertung durch andere zu erleichtern und die individuelle Kompetenzentwicklung nachzuzeichnen, wird jede der Kernkompetenzen durch beobachtbare Lernziele operationalisiert, differenziert nach drei Progressionsstufen.

Die Stufen bauen auf einem der am weitesten verbreiteten Modelle der Bildungswissenschaft auf: der überarbeiteten Bloom'schen Taxonomie (Anderson & Krathwohl, 2001; Krathwohl, 2002). Ihre Kernidee ist einfach: Kognitive Prozesse entwickeln sich vom Erinnern und Verstehen über das Anwenden und Analysieren bis hin zum Bewerten und Erschaffen. Was sich von Stufe zu Stufe ändert, ist also nicht der Inhalt oder das Thema, sondern die kognitive Tiefe des Denkens und Handelns, die eine Lehrkraft damit unter Beweis stellen kann.

Progressionsstufen und Operatoren

Diese kognitive Tiefe spiegelt sich in der Formulierung der Lernziele wider. Jedes Lernziel ist um ein Verb (einen Operator) herum aufgebaut, das direkt aus der Taxonomie stammt (z. B. erkennen, umsetzen, kritisch bewerten). Der Operator zeigt an, was von einer Lehrkraft auf dieser Stufe erwartet wird, und macht das Lernziel konkret und beobachtbar.

Stufe

In der Praxis können Lehrkräfte...

Kognitive Prozesse (Operatoren)

Stufe 1

Orientierendes Bewusstsein

eine erste berufliche Orientierung entwickeln, indem sie lernen, was KI ist, was sie leisten kann und was auf dem Spiel steht. Sie erkennen und erinnern zentrale KI-Konzepte und -Werkzeuge, geben Beispiele, ordnen sie ein und fassen die wichtigsten Chancen und Risiken in eigenen Worten zusammen.

Erinnern
(erkennen, erinnern)

Grundlegendes Verstehen (interpretieren, veranschaulichen, einordnen, zusammenfassen)

Stufe 2

Reflektierte Umsetzung

KI-bezogene Praktiken im eigenen Unterricht anwenden und kritisch bewerten. Sie setzen KI-Werkzeuge gezielt im Unterricht und bei der Bewertung ein, erläutern und vergleichen unterschiedliche Ansätze und Ergebnisse, vergleichen KI-generierte Ausgaben mit ihrem eigenen fachlichen Urteilsvermögen und analysieren Nutzen, Grenzen und zugrunde liegende Annahmen.

Vertieftes Verstehen
(erklären, vergleichen)

Anwenden

(ausführen, umsetzen)

Analysieren

(differenzieren, strukturieren, zuordnen)

Bewerten

(prüfen, kritisch beurteilen)

Stufe 3

Gestaltende Führungsrolle

KI-bezogene Bildungspraxis verantwortungsvoll gestalten und weiterentwickeln und dabei eine Führungsrolle über das eigene Klassenzimmer hinaus übernehmen. Sie bewerten KI-Praktiken anhand pädagogischer und ethischer Kriterien, entwickeln neue KI-gestützte Ansätze und unterstützen Kolleginnen, Kollegen und ihre Einrichtung beim verantwortungsvollen Einsatz von KI.

Erschaffen

(generieren, planen, produzieren)

Die Logik hinter den Stufen

Die Stufen bauen schrittweise aufeinander auf. Jede höhere Stufe greift auf die kognitiven Prozesse der darunterliegenden Stufen zurück. Nach Krathwohl (2002) handelt es sich dabei jedoch um eine Hierarchie zunehmender Komplexität und nicht um streng voneinander getrennte Stadien. Benachbarte Kategorien können sich überschneiden, und die Grenzen zwischen den Stufen sind fließend statt scharf.

Während Stufe 1 die notwendige Grundlage bildet und Stufe 3 eine erweiterte Rolle in Innovation und beruflicher Führung darstellt, bildet Stufe 2 die primäre Zieldimension für Lehrkräfte. Alle Lehrkräfte sollten in der Lage sein, KI gezielt in ihre eigene Praxis zu integrieren, ihre Ausgaben mit fachlichem Urteilsvermögen zu bewerten und kritisch über ihren pädagogischen Nutzen, ihre Grenzen und zugrunde liegenden Annahmen zu reflektieren. Stufe 2 beschreibt somit das Kompetenzniveau, das für eine informierte, verantwortungsvolle und reflektierte Unterrichtspraxis in einem KI-geprägten Bildungsumfeld erforderlich ist.