2.4 Sozialkunde: KI, Medien und Wirklichkeit Können wir alles glauben, was wir sehen? Fach: Sozialkunde · Klassenstufe: 5 (10–11 Jahre) · Dauer: 1 Doppelstunde (90 Min.) · KI: Lehren ÜBER KI KI-bezogene Kompetenzen (DUAL.AI.TEACHer-Framework) – Lehrkräfteebene Fachspezifische Lernziele – Ebene der Schülerinnen und Schüler   EA-FC-2a ( ETHICS OF AI × FACILITATING LEARNERS’ AI DIGITAL COMPETENCE, Stufe 2 – Reflektierte Umsetzung)   „Lehrkräfte können Lernaktivitäten umsetzen, die das ethische Urteilsvermögen der Lernenden im Umgang mit KI entwickeln, und können diese methodisch begründen.“ Am Ende der Stunde können die Schülerinnen und Schüler:   in einfachen Worten erklären, was generative KI mit Texten und Bildern machen kann; zwischen Information, Meinung und künstlich erzeugten Inhalten unterscheiden; Hinweise erkennen, die ein Bild, einen Text oder eine Behauptung verdächtig oder unzuverlässig erscheinen lassen; erklären, warum eine KI-erzeugte Antwort oder ein KI-erzeugtes Bild nicht automatisch wahr ist; Wege benennen, Informationen zu überprüfen, bevor man sie annimmt oder weitergibt; darüber sprechen, wie KI Kommunikation, Medien und den Alltag der Menschen beeinflussen kann; die eigene Meinung zum verantwortungsvollen Umgang mit KI-erzeugten Inhalten begründen; Kernbotschaft: KI kann überzeugende Texte und Bilder erzeugen, aber überzeugend bedeutet nicht wahr. Bevor wir etwas glauben oder weitergeben, müssen wir fragen, woher es stammt, welche Belege es stützen und ob wir es an anderer Stelle überprüfen können. Inhalt Künstliche Intelligenz wird zunehmend Teil der alltäglichen Kommunikation. KI-Systeme können Texte, Bilder und andere Inhalte erzeugen, die aussehen können, als wären sie von einem Menschen erstellt worden. Das schafft neue Möglichkeiten, aber auch neue Herausforderungen dafür, wie Menschen Informationen verstehen und bewerten. Für Schülerinnen und Schüler in diesem Alter ist die wichtige Frage nicht unbedingt, wie KI technisch funktioniert, sondern wie KI-erzeugte Inhalte Menschen und Gesellschaft beeinflussen können. Die Stunde führt KI über eine vertraute soziale Situation ein: über Informationen, denen man im Alltag begegnet. Die Lehrkraft zeigt Beispiele für Texte und Bilder und bittet die Schülerinnen und Schüler zu entscheiden, ob der Inhalt echt, bearbeitet oder KI-erzeugt ist. Der Schwerpunkt liegt nicht darauf, ihnen beizubringen, KI perfekt zu erkennen. Tatsächlich ist eine der zentralen Schlussfolgerungen der Stunde, dass das äußere Erscheinungsbild allein kein verlässlicher Weg ist, um festzustellen, ob etwas wahr ist. Stattdessen lernen die Schülerinnen und Schüler einen einfachen Prüfablauf: STOPP → HINTERFRAGEN → PRÜFEN → VERGLEICHEN → ENTSCHEIDEN Die Aktivität knüpft an den Schwerpunkt des Sozialkunde-Lehrplans an, kritisches Denken zu entwickeln, Belege zu analysieren, Meinungen zu bilden und zu äußern sowie das soziale Umfeld zu erforschen. Der Lehrplan nennt ausdrücklich die Rolle und den Einfluss der Medien als eines der vorgeschlagenen gesellschaftlichen Themen für die 5. Klasse. Er ermutigt Lehrkräfte außerdem ausdrücklich dazu, rationales und kritisches Denken zu fördern, indem Fragen gestellt werden, die Begründungen erfordern, indem Belege untersucht, Daten analysiert werden, die Schlussfolgerungen stützen oder infrage stellen, und indem unterschiedliche Deutungen berücksichtigt werden. Wichtig ist dabei: Die Schülerinnen und Schüler interagieren während der Stunde nicht selbst mit einem KI-System . Die Lehrkraft bedient das KI-Werkzeug und präsentiert der Klasse ausgewählte Ausgaben. Die Rolle der Schülerinnen und Schüler besteht darin, die Inhalte zu beobachten, zu hinterfragen, zu vergleichen und zu bewerten. Unterrichtsverlauf Phase Zeit Aktivität Einführung 10 Min. Die Lehrkraft zeigt zwei oder drei Bilder oder kurze Texte zu einer vertrauten Situation. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden für sich: Ist das echt? Woher weißt du das? Input 15 Min. Die Lehrkraft führt KI in altersgerechter Sprache ein: was generative KI kann und warum KI-erzeugte Inhalte überzeugend wirken können. Demonstration 15 Min. Die Lehrkraft nutzt ein KI-Werkzeug live, um auf Grundlage eines einfachen Prompts ein Bild oder einen kurzen Text zu erzeugen. Die Schülerinnen und Schüler beobachten, wie schnell der Inhalt entstehen kann, und besprechen, was die KI tatsächlich hervorbringt. Untersuchung 30 Min. Die Gruppen erhalten mehrere Beispiele für Informationen und Inhalte. Sie nutzen eine Prüf-Checkliste und entscheiden, was sie für glaubwürdig halten, was sie hinterfragen und was sie weiter überprüfen würden. Reflexion 20 Min. Klassengespräch: Können wir einem Bild trauen, nur weil es echt aussieht? Und wie ist es bei einem Text? Wer trägt die Verantwortung, wenn wir falsche Informationen erstellen oder verbreiten? Leitfragen: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten die folgenden Situationen gemeinsam mit der Lehrkraft durch. Die KI wird ausschließlich von der Lehrkraft bedient. 1. Runde 1 — STOPP: Nicht sofort glauben Die Lehrkraft zeigt den Schülerinnen und Schülern ein KI-erzeugtes Bild einer vertrauten Situation — zum Beispiel eine scheinbar realistische Fotografie eines ungewöhnlichen Ereignisses in Slowenien. Bevor irgendetwas aufgelöst wird, beantworten die Schülerinnen und Schüler: Sieht dieses Bild echt aus? Was bringt dich zu dieser Einschätzung? Welche Details lassen es glaubwürdig wirken? Gibt es etwas, das ungewöhnlich aussieht? Die Lehrkraft löst auf, dass das Bild mit KI erzeugt wurde, und erklärt kurz, wie generative KI realistisch wirkende Bilder erstellen kann. Was hat uns glauben lassen, dass das Bild echt ist? Haben wir nach Belegen gesucht oder einfach dem vertraut, was wir gesehen haben? Könnte jemand ein solches Bild nutzen, um andere Menschen in die Irre zu führen? Diagnose: Die Schülerinnen und Schüler erkennen den Unterschied zwischen „Das sieht echt aus“ und „Ich habe Belege dafür, dass das echt ist“. Kernidee: Ein realistisches Erscheinungsbild ist kein Beweis dafür, dass etwas wahr ist. 2. Runde 2 — HINTERFRAGEN: Wer hat es erstellt und warum? Die Lehrkraft präsentiert einen kurzen KI-erzeugten Text im Nachrichtenstil. Zum Beispiel bittet die Lehrkraft ein KI-System, einen kurzen Artikel über ein erfundenes Ereignis an einer slowenischen Schule zu verfassen. Die Schülerinnen und Schüler interagieren nicht mit der KI. Stattdessen analysieren sie die Ausgabe. Wer hat das geschrieben oder erstellt? Woher stammt die Information angeblich? Nennt der Text eine Quelle? Liefert er Belege? Können wir die Information überprüfen? Warum könnte jemand solche Informationen veröffentlichen wollen? Klingt der Text sicher, obwohl wir nicht wissen, ob er stimmt? Die Schülerinnen und Schüler entdecken, dass ein Text selbstsicher, informativ und überzeugend klingen kann und ihm dennoch eine verlässliche Quelle oder Belege fehlen. Kernidee: Eine selbstsicher klingende Antwort ist nicht zwangsläufig eine richtige Antwort. 3. Runde 3 — PRÜFEN & VERGLEICHEN: Überprüfen wir es Die Lehrkraft stellt eine erfundene Behauptung vor: „In Slowenien wurde eine neue Regel eingeführt: Schülerinnen und Schüler dürfen samstags keine Mobiltelefone mehr benutzen.“ Die Aussage ist bewusst einfach und plausibel genug, um die Schülerinnen und Schüler dazu anzuregen, darüber nachzudenken, wie sie sie überprüfen würden. Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht einfach mit „wahr“ oder „falsch“ antworten. Sie müssen stattdessen eine Überprüfungsstrategie entwickeln. Wo würdest du diese Information überprüfen? Wen könntest du fragen? Würdest du einem Beitrag in sozialen Medien vertrauen? Würdest du nur eine Quelle prüfen oder mehrere? Was würde als guter Beleg gelten? Welcher Quelle würdest du eher vertrauen? Was würde dich dazu bringen, deine Meinung zu ändern? Anschließend zeigt die Lehrkraft, wie sich die Behauptung mithilfe verschiedener Arten von Quellen überprüfen ließe. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass das Überprüfen von Informationen ein Prozess ist und nicht einfach die Entscheidung, ob sich etwas „wahr anfühlt“. 4. Optionale Runde — KI gegen Mensch Die Lehrkraft fragt ein KI-System: „Warum ist es wichtig, das kulturelle Erbe zu bewahren?“ - Die KI erzeugt eine kurze Antwort. Die Schülerinnen und Schüler formulieren anschließend eigenständig ihre eigene Antwort ohne KI. Die Klasse vergleicht beide. Was hat die KI gut beantwortet? Was fehlt? Gibt die KI Informationen wieder, eine Meinung oder beides? Kennt die KI unser lokales Umfeld so gut wie wir? Welche Antwort wäre nützlicher, um unser lokales Kulturerbe vorzustellen? Kann eine KI-erzeugte Antwort unser eigenes Denken ersetzen? Das knüpft an den Schwerpunkt des Lehrplans auf kulturelles Erbe an, an das Verständnis der Schülerinnen und Schüler für Vergangenheit und Gegenwart sowie an ihre Fähigkeit, eigene Standpunkte zu erklären und zu begründen. Abschlussaktivität: eine Klassenregel entwickeln Am Ende der Stunde erstellen Lehrkraft und Klasse gemeinsam ein einfaches Plakat für den Klassenraum: 5 FRAGEN, BEVOR WIR ETWAS TEILEN STOPP Muss ich das sofort glauben? HINTERFRAGEN Wer hat das erstellt oder veröffentlicht? PRÜFEN Wo kann ich die Information überprüfen? VERGLEICHEN Sagen andere verlässliche Quellen dasselbe? ENTSCHEIDEN Habe ich genug Belege, um es zu glauben oder zu teilen? Das Plakat ist das zentrale praktische Ergebnis der Stunde. Abschlussfrage: Wenn ein Computer ein Bild oder einen Text erzeugen kann, der völlig echt aussieht – was sollten wir tun, bevor wir es glauben oder mit anderen Menschen teilen? Materialien ein Computer und ein Beamer für die Lehrkraft; Zugang zu einem LLM-/KI-Werkzeug, das von der Lehrkraft bedient wird; 2–3 vorbereitete KI-erzeugte Bilder und Texte; mehrere Beispiele für echte und erfundene Informationen; ein Arbeitsblatt STOPP → HINTERFRAGEN → PRÜFEN → VERGLEICHEN → ENTSCHEIDEN; verschiedene Quellen, die die Schülerinnen und Schüler zur Überprüfung nutzen können; eine Tafel oder ein Plakat für die Erarbeitung der Klassenregel „5 Fragen, bevor wir etwas teilen“. Die Rolle der Lehrkraft und die Rolle der Schülerinnen und Schüler Ein zentrales Gestaltungsprinzip dieser Stunde ist, dass der KI-Einsatz von der Lehrkraft gesteuert wird . Lehrkraft Schülerinnen und Schüler Bedient das KI-Werkzeug. Beobachten die KI-Ausgabe. Erstellt ausgewählte Beispiele. Stellen Fragen zum Inhalt. Zeigt, wie KI Texte und Bilder erzeugt. Benennen Gründe, Informationen zu vertrauen oder sie zu hinterfragen. Liefert Beispiele und Gegenbeispiele Vergleichen verschiedene Quellen. Macht Überprüfungsstrategien vor Entwickeln eine eigene Überprüfungsstrategie. Leitet die Diskussion Erklären und begründen ihre Schlussfolgerungen. Macht die Grenzen von KI sichtbar. Reflektieren über verantwortungsvolles Teilen von Informationen. Die Schülerinnen und Schüler lernen also über die Fähigkeiten, Grenzen und gesellschaftlichen Folgen von KI, ohne selbst Zugang zu einem KI-System zu benötigen.